Tieffrequenter Schall und Infraschall


Windkraftanlagen setzen den Grossteil der Windenergie (60%) in Schall um, sodass als unerwünschter Nebeneffekt hörbarer Lärm und mit zunehmender Anlagengrösse langwelliger tieffrequenter Schall und nicht hörbarer Infraschall freigesetzt wird. Der Lärm entsteht überwiegend an den Rotorblättern. Durch die Grösse und die Biegsamkeit der Blätter sowie die langsame Drehzahl – jedoch mit Geschwindigkeiten über 300 km/h an den Rotorspitzen – erzeugen die Rotoren bedeutende Mengen nichthörbaren Infraschall mit Schalldruckpegeln von bis zu 130 dB.

Die Auswirkungen dieser Emissionen auf den Menschen sind bislang unzureichend erforscht. 

Infraschall kann vom menschlichen Ohr nicht gehört werden, breitet sich aber aufgrund seiner grossen Wellenlänge nahezu verlustfrei über weite Distanzen aus. Topographie, Vegetation und herkömmliche Schalldämmungen stellen, physikalisch bedingt, kein Hindernis dar. Tieffrequenter Schall durchdringt somit ungehindert Gebäudemauern, -fassaden und Fenster.

Schallmessungen sind schwierig, Schallprognosen sind durch auftretende Resonanzphänomene innerhalb der Wohnräume, durch landschaftliche Gegebenheiten und sich verändernde Wetterlagen usw. nicht zuverlässig.

Die Auswirkungen auf den Menschen sind grundsätzlich dieselben wie die von übermässigem, hörbaren Schall bzw. Lärm (vgl. Kapitel Lärm).

Die Beeinträchtigung auf Wohlbefinden und Gesundheit äussern sich durch Schlafstörungen, Herz- und Kreislaufprobleme, Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Unruhe, Nervosität, Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, rasche Ermüdung, verminderte Leistungsfähigkeit.

Die Interessenvertreter und Verbände der Windindustrie verharmlosen oder bagatellisieren das Problem, nach dem Motto: „Was man nicht hören kann, kann auch nicht schaden.“

Namhafte Institute in Deutschland und Europa haben die fehlenden oder unzureichenden Untersuchungen zur Auswirkung von Infraschall bemängelt. Exemplarisch zu nennen ist das Deutsche Umweltbundesamt, das 2014 im Rahmen einer 3-jährigen „Machbarkeitsstudie Infraschall“ Forschungsdefizite bestätigte. 

Zitat: „Zusammenfassend kann gesagt werden, dass viele der negativen Auswirkungen von Infraschalleinwirkungen die Bereiche Herz-Kreislaufsystem, Konzentration und Reaktionszeit, Gleichgewichtsorgane, das Nervensystem und die auditiven Sinnesorgane betreffen. Probanden klagten häufig über Schwindel- und Unbehaglichkeitsempfindungen bei Infraschallexposition.“

Viele neuere Studien deuten auf einen signifikanten Zusammenhang zwischen zu erwartenden Gesundheitsschäden und der Nähe zu Grosswindanlagen hin (hier nur einige Autoren: Salt, Möller, Pederson, Pierpont, Quambusch, Krahé, Bartsch; weitere am Ende dieses Kapitels).

Wissenschaftler vom Robert Koch Institut (RKI) haben bereits 2007 folgendes veröffentlicht: „Die Studien weisen darauf hin, dass Immissionen von Infraschall entweder bei kontinuierlicher Langzeitexposition oder bei sehr intensiven Kurzzeitexpositionen gesundheitliche Schädigungen verursachen können.“

Besonders gefährdet sind Kinder, Jugendliche und Schwangere. Die EU-Arbeitsschutzrichtlinie 89/391/EWG verweist darauf, dass „schwangere Arbeitnehmerinnen keine Tätigkeit verrichten sollten, die zu starker niederfrequenter Vibration führen können, da sich hierdurch das Risiko einer Fehl- oder Frühgeburt erhöhen kann.“ 

In Dänemark, dem Vorreiterland für Windenergie, wurde aufgrund von festgestellten erheblichen negativen Auswirkungen von Infraschall auf Tiere, Ende 2013 eine neue Studie über die mögliche Gesundheitsgefahren von Windkraftanlagen in Auftrag gegeben. Bis zur Vorlage der Ergebnisse wurden alle Onshore Windenergieprojekte auf Eis gelegt und ein Baustopp verhängt.  

Bitte bilden Sie sich selbst ein Urteil und nutzen Sie die unten aufgeführten Links:

Beitrag Spiegel TV Magazin

Gesundheitsrisiken durch Windkraft

Windkraft - Störsender fürs Herz: Mainzer Forscher untersuchen Folgen des Infraschalls

http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/mainz/nachrichten-mainz/stoersender-fuers-herz-muskel-verliert-an-kraft-forscher-der-mainzer-herzchirurgie-untersuchen-folgen-des-infraschalls-durch-windkraftanlagen_18566513.htm

Prof. Dr. Henning Müller von Hagen und Gerhard Artiger:

Kommentierung verschiedener Studien und Berichte über Infraschall http://umweltmessung.com/wp-content/uploads/2015/06/Kommentierung-Studien-Infraschall.pdf


Prof. Erwin Quambusch und Martin Lauffer:

Infraschall von Windkraftanlagen als Gesundheitsgefahr

http://www.wkaweg.de/downloads/InfraschallvonWindkraftanlagenalsGesundheitsgefahr.pdf


Deutscher Naturschutzring:

Durch WEA verursachte Infraschall-Emissionen

http://www.dnr.de/downloads/infraschall_04-2011.pdf


Nina Pierpont, MD, PhD:

Wind Turbine Syndrome

www.windturbinesyndrome.com/img/German-final-6-8-10.pdf


Silvester Siegmann und Uwe Nigmann:

Biologische Wirkungen von tieffrequentem Schall/Infraschall

http://www.bsafb.de/fileadmin/downloads/pa_9_9_2007/pa9_9_2007_biologische_wirkungen_von_tieffrequentem_schall_infraschall.pdf


Robert Koch Institut:

Infraschall und tieffrequenter Schall – ein Thema für den umweltbezogenen Gesundheitsschutz

http://edoc.rki.de/documents/rki_ab/re67flHRghoUo/PDF/22wFEQ7q9U2VE.pdf